Wandergruppe St. Raphael besuchte im Mai 2022 den Engesohder Friedhof

 


Im Mai war das Ziel der Wandergruppe der Engesohder Friedhof. Bei schon fast sommerlichen Temperaturen und herrlichem Wetter haben wir uns den Friedhof erschlossen und damit auch einen Teil hannoverscher Geschichte.

Angelegt wurde der „Stadtfriedhof am Engesohder Berge“ zwischen 1861 und 1864 als erster kommunaler Friedhof Hannovers nach den Plänen des Stadtbaumeisters Droste. Zur gleichen Zeit schüttete man den Schiffgraben zu, eine im Mittelalter künstlich angelegte Wasserstraße, die dem Torf- und Holztransport aus dem Altwarmbüchener Moor in die Stadt diente. Die am Schiffraben nicht mehr benötigte Balustrade verwendete man als Friedhofsmauer, um das höher gelegene Friedhofsgelände abzufangen. Optisch ein schöner Blickfang!

Das gilt auch für den eisernen Bödeker-Engel, der am Eingang an der ersten Weggabelung steht. Er erinnert an „seine damals 14 weiteren in der Stadt aufgestellten Geschwister“, mit denen der damalige Pastor der Marktkirche, Hermann Wilhelm Bödeker – der auch auf dem Engesohder Friedhof bestattet ist- Spenden für wohltätige Zwecke einsammelte.

Bei dem Gang über den Friedhof haben wir zahlreiche Grabstätten berühmter Hannoveraner Persönlichkeiten aufgesucht, darunter die von: Georg Ludwig Friedrich Laves, der u.a. den Waterlooplatz anlegte, die Waterloosäule schuf, das Wangenheimpalais, das Opernhaus, das Welfenmuseum im Berggarten und noch mehr, Adolf Tellkampf, dem Pädagogen und Mathematiker, dem Gründer des nach ihm benannten ersten Realgymnasiums, Ludwig Droste, dem Erbauer des Friedhofes „am Engesohder Berge“, Karl Karmarsch, dem Mitgründer der Höheren Gewerbeschule, aus der die heutige Universität hervorging, Conrad Wilhelm Hase, dem Gründer der hannoverschen Architekturschule, der auch die Christuskirche, das Künstlerhaus und die Marienburg baute, Ernst von Bandel, dem Schöpfer des Hermannsdenkmals bei Detmold, Wilhelm Hauschild, dem Pressefotograf der HAZ, Yvonne Georgi, Tanzpädagogin und Choreographin an der hannoverschen Staatsoper , Aurelia (genannt Orli) Wald, die 1936 denunziert wurde, KZ Ravensbrück und Auschwitz überlebte und von den Häftlingen aufgrund ihres mutigen Einsatzes und ihrer selbstlosen Hilfe als „Engel von Auschwitz“ bezeichnet wurde (die Straße am Friedhof: Orli-Wald-Allee) ist nach ihr benannt.

Insgesamt hatten wir am Ende zu unserer großen Überraschung vier Kilometer auf dem Friedhof zurückgelegt und dabei einiges Interessante aus den letzten 160 Jahren Hannoveraner Geschichte erfahren, das wir nun zuordnen können. Wir haben eine beeindruckende künstlerische Vielfalt in der Gestaltung der Grabmale gesehen. Sie reichte von der schlichten Grabplatte des Urnengrabes (z.B. Orli Wald) bis zur mausoleumartigen, mit Mosaiken ausgestalteten Begräbnisstätte der Familie Ebeling. Zahlreiche Anleihen an antike Darstellungen von Säulen und Tempelandeutungen standen modernen skulpturartigen Steinmetzarbeiten gegenüber.

Das alles haben wir auf einem wunderschön angelegten, parkartigen, sehr gepflegten Gelände in der bunten Fülle der Frühlingsblüte erlebt.

Text und Bilder Uschi Cordes


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