Geschichte der Kirche St. Maria Regina

Geschichte der Gemeinde St. Maria Regina in Garbsen-Berenbostel

In der Grün­dungs­ur­kunde des Augus­ti­ne­rin­nen­klos­ters Mari­en­wer­der von 1196 wird Beren­bos­tel erstmals erwähnt. Beren­bos­tel war eine Sied­lun­g, die um das Jahr 800 ent­stan­den war. Sie war gegen die feuch­ten Flussnie­de­run­gen und den Gee­strand in der Lei­neau ange­legt wor­den. Die Bewirt­schaf­tung der Acker­flä­chen war des­halb schwie­rig. Die Sied­lun­g bestan­d zunächst aus drei bis sie­ben Höfen. Die Rän­der der Moore erlaub­ten den Torfstich sowie Gras- und Heu­ernte. Als Schwer­punkte der Sied­lun­g ent­stan­d zwischen dem 9. und 10. Jahr­hun­dert Groß­höfe. Beren­bos­tel und Stelingen wurden dann von den Grafen von Roden gemeinsam verwaltet und regiert.

Da Berenbostel eine kleine, nur aus vereinzelten Bauernhöfen bestehende Siedlung war, gab es keine eigene Kirche. Die Siedlung gehörte zur Gemeinde in Engelbostel.  Dies blieb auch nach der Reformation 1542/43 so. Ein ev. Gotteshaus erhielt die Gemeinde erst im 20. Jahrhundert. Und noch bis in diese Zeit war Berenbostel ausschließlich landwirtschaftlich durch Acker­bau– und Vieh­zucht geprägt. Erst um die Jahr­hun­dert­wende kamen vom benach­bar­ten Han­no­ver und Lin­den Impulse zur Indus­tria­li­sie­rung.

In Beren­bos­tel wur­den vier Zie­ge­leien ange­legt; ihre Ton­gru­ben wer­den heute als Nah­er­ho­lungs­seen genutzt. Anfangs war die Zie­gel­her­stel­lung nur eine Neben­be­schäf­ti­gung der bäu­er­li­chen Betriebe. Bald ent­wi­ckelte sich jedoch eine fabrik­mä­ßige Nut­zung, wo von Mai bis Sep­tem­ber etwa 180 Zie­ge­lei­ar­bei­ter Beschäf­ti­gung fan­den. Als Sai­son­ar­bei­ter kamen sie aus Pom­mern, Posen, Ost­preu­ßen, Schle­sien sowie aus dem Lipper-Land und dem Eichs­feld. In sogenannten “Zie­gel­ka­ser­nen” wur­den sie in Beren­bos­tel unter­ge­bracht. Viele von ihnen waren kath. Glau­bens. Ebenso die pol­ni­schen Land­ar­bei­ter oder die Kanal­bau­ar­bei­ter, die vor dem Ers­ten Welt­krieg (1914 bis 1918) den Mit­tel­land­ka­nal anleg­ten. Da sie nur wäh­rend der Dauer ihrer Beschäf­ti­gung in Beren­bos­tel wohn­ten, wurden sie in der kirch­li­chen Gemein­de­sta­tis­tik nicht erfasst.

1885 hat­ten 17 kath. Chris­ten in Beren­bos­tel ihren fes­ten Wohn­sitz. Die seel­sorg­li­che Betreu­ung hat­ten seit 1902 die Kap­läne der St.-Benno-Gemeinde in Lin­den über­nom­men, dann die Geist­li­chen im benach­bar­ten Seelze. Kath. Got­tes­dienst hielt man seit 1911 in Seelze. Nach dem Ers­ten Welt­krieg waren die Zie­ge­leien Grund­lage der Bau­in­dus­trie und ihre Auf­trags­lage hatte sich deut­lich ver­bes­sert, sodass die Pro­duk­tion ganz­jäh­rig aus­ge­wei­tet wurde. Infol­ge­des­sen bil­dete sich eine qua­li­fi­zierte Stamm­be­leg­schaft her­aus, die ange­lern­ten Sai­son­ar­bei­tern kaum noch Beschäf­ti­gungs­mög­lich­kei­ten bot. Auch der Mit­tel­land­ka­nal­bau war zwi­schen­zeit­lich abge­schlos­sen wor­den, sodass nach 1918 nur noch ver­ein­zelt Katho­li­ken in Beren­bos­tel und Umge­bung leb­ten.

Mit dem Hin­ter­grund der Welt­wirt­schafts­krise von 1929 muss­ten die Zie­ge­leien in Beren­bos­tel still­ge­legt wer­den; 1931 waren fünf Mil­lio­nen Deut­sche arbeits­los. Die Arbeits­lo­sen­quote konnte die natio­nal­so­zia­lis­ti­sche Regie­rung nach 1933 infolge ihrer mili­tä­ri­schen Auf­rüs­tung mit Arbeits­be­schaf­fungs­maß­nah­men sen­ken. Nach 1939 zog man für die Ziegeleien Kriegs­ge­fan­gene und Fremd­ar­bei­ter zur Arbeit heran. Zahl­rei­che Polen, Rus­sen und Fran­zo­sen waren in Beren­bos­tel festgehalten. Wäh­rend die Gemeinde bei Kriegs­aus­bruch 997 Ein­woh­ner gezählt hatte, waren es 1950 bereits 2.290. Denn der große Strom von Flücht­lin­gen und Hei­mat­ver­trie­be­nen hatte auch Beren­bos­tel und das benach­barte Mey­en­feld erreicht, wo zahl­rei­che Katho­li­ken Unter­kunft fan­den. Ins­ge­samt leb­ten damals über 2.000 hei­mat­ver­trie­bene Schle­sier, haupt­säch­lich aus den Krei­sen Fran­ken­stein, Neisse und Wal­den­burg, im Nord­ge­biet der Kura­tie­ge­meinde Seelze. Ihr Seel­sor­ge­spren­gel umfasste die Gemein­den Beren­bos­tel, Frie­lin­gen, Heit­lin­gen, Horst, Mey­en­feld, Oster­wald OE und UE und Ste­l­in­gen, die man 1947 zur kath. Pfarr­vi­ka­rie Mey­en­feld zusam­men­fasste.

Der erste in Mey­en­feld ansäs­sige Seel­sor­ger war eben­falls ein hei­mat­ver­trie­be­ner Schle­sier, Pfarrer Gregor Neumann. Er wohnte in einer sehr einfachen Flücht­lings­woh­nung in Mey­en­feld und hielt Got­tes­dienst im dortigen Gast­haus sowie in den ev. Kir­chen in Horst und Oster­wald. Ein besonderes Anliegen von Pfarrer Neumann war die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Schon im Jahr 1949 schlossen sich Gemeindemitglieder der Kath. Arbeitnehmerbewegung (KAB) an.

St. Maria ReginaAls die Indus­trie­be­triebe im benach­bar­ten Stö­cken die Pro­duk­tion wie­der auf­nah­men, fan­den hier zahl­rei­che Katho­li­ken Beschäf­ti­gung. Andere waren nach Han­no­ver oder in die Indus­trie­zen­tren im Wes­ten gezo­gen. Daher sank die Katholikenzahl in den ers­ten Nach­kriegs­jah­ren gering­fü­gig auf 1.800.  Nach dem Kauf eines Bau­grund­stü­ckes in Beren­bos­tel wurde hier 1954 die kath. St.-Maria-Regina-Kirche erbaut. Da das Got­tes­haus seel­sorg­li­cher Mit­tel­punkt der Gemeinde war, wurde der Sitz der Pfarr­vi­ka­rie von Mey­en­feld nach Beren­bos­tel ver­legt. Anschlie­ßend sie­del­ten viele Katho­li­ken aus den umlie­gen­den Dör­fern nach Beren­bos­tel über. Von hier aus waren die Indus­trie­be­triebe in Stö­cken gut zu errei­chen. Das Hei­mat­werk Han­no­ver för­derte die Anlage von Wohn­sied­lun­gen. Die sich bil­dende Gemeinde bestand aus über 95 % aus Hei­mat­ver­trie­be­nen und Flücht­lin­gen. Bereits 1956 wurde die 1.750 Katho­li­ken zäh­lende Vika­rie zur Kir­chen­ge­meinde erho­ben. Ihr Seel­sor­ge­spren­gel umfasste die Ort­schaf­ten Beren­bos­tel, Frie­lin­gen, Horst, Mey­en­feld, Osterwald OE und UE, Stelingen und Heit­lin­gen. Jeden Sonntag fanden nun vier Hl. Messen statt, eine davon in der ev. Kirche in Osterwald. Der Aus­bau der gemeind­li­chen Infra­struk­tur hatte die Ent­wick­lung von Beren­bos­tel wesent­lich geför­dert. Es ver­fügt im Osten über eine Anbin­dung an den Flug­ha­fen Hannover-Langenhagen und die Auto­bahn Berlin–Dortmund sowie im Süden über einen Anschluss an den Mit­tel­land­ka­nal. Dies war mit Vor­aus­set­zung für die Schaf­fung zweier Gewer­be­ge­biete, nach der Auf­gabe der Zie­ge­lei­be­triebe Ende der 60er Jahre. Im Jahre 1966 zählte Beren­bos­tel bereits 10.750 Ein­woh­ner; knapp 3.000 von ihnen waren kath. Kon­fes­sion.

Aufgrund seines angegriffenen Gesundheitszustandes fühlte sich Pfarrer Neumann den gestiegenen Anforderungen einer wachsenden Gemeinde nicht mehr gewachsen und so ernannte Bischof Pfarrer HallmannHeinrich Maria Jansen Horst Georg Hallmann zum neuen Pfarrer. St. Maria Regina erhielt 1970 Pfar­rei­sta­tus. Im selben Jahr wurde die Kindertagesstätte mit  Hort für 100 Kinder errichtet. Nach­dem man Beren­bos­tel und die zur Pfarr­ge­meinde gehö­ren­den Ort­schaf­ten 1974 zur Stadt Garb­sen ver­ei­nigt hatte, zählte Berenbostel allein über 16.500 Ein­woh­ner. Auch in den sie­ben wei­te­ren Orten, die der Pfar­rei ange­schlos­sen waren, stieg die Ein­woh­ner­zahl auf ca. 14.000. St. Maria Regina betreute 1984 ca. 5 000 Katho­li­ken, davon lebten ca. 2 800 in Berenbostel und ca. 2.200 in den anderen Ortsteilen. Da die 1954 erbaute Kir­che für die Anzahl der Gemein­de­mit­glie­der nicht mehr aus­rei­chend war, wurde 1973 das St. Maria Regina neuneue Kir­chen­zen­trum St. Maria Regina im Osten von Beren­bos­tel errich­tet. Patronin ist wie bei der alten Kirche Maria Königin, Nebenpatronen sind die hl. Hedwig und der hl. Godehard. Auf dem Grund­stück der alten Kir­che erbaute 1979 das Hei­mat­werk Han­no­ver 26 Alten­woh­nun­gen. Neben der zwei­ten Gene­ra­tion von kamen auch immer mehr Katho­li­ken aus dem han­no­ver­schen Bereich oder aus dem euro­päi­schen Aus­land (Ita­lien, Spa­nien und dem ehe­ma­li­gen Jugo­sla­wien etc.) in die Gemeinde.

Pfarrer Piorreck1986 wurde Hallmann als Pfarrer durch Hans Piorreck abgelöst. Seit 1989 wur­den in Beren­bos­tel, Heit­lin­gen und Oster­wald OE, wahr­schein­lich durch den Zuzug von Aus– und Über­sied­ler­fa­mi­lien, stei­gende Katho­li­ken­zah­len festgestellt. Ein besonderer Höhepunkt in der Geschichte unserer Gemeinde war der Bau des Glockenturms, der 1991 fertiggestellt wurde. Seit 1991 besteht außerdem unsere Partnerschaft nach Bolivien zur Gemeinde Jesus de Machaqa im Hochland Boliviens. Im Jahr 1997 konnte dann das 50-jährige Bestehen unserer Kirchengemeinde gefeiert werden.

2004 wurde die Gemeinde durch die Fusion der drei katho­li­schen Gemein­den in Garb­sen Teil der neu gegrün­de­ten St. Raphael-Gemeinde.

Quelle: Handbuch der Diözese Hildesheim und Jubiläumsheft zum 50-jährigen Bestehen von St. Maria Regina

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