Papstmesse: „Echte“, nicht „virtuelle“ Christen

St.Martha-PfingstenEigentlich ist das eine witzige Bibelstelle: In der Lesung vom Montag vor Pfingsten fragt Paulus einige „Jünger“ in Ephesus „Habt ihr den Heiligen Geist empfangen, als ihr gläubig wurdet?“ Und die antworten ihm: „Wir haben noch nicht einmal gehört, dass es einen Heiligen Geist gibt.“ Man konnte also im frühen Christentum ein „Jünger“ sein, ohne vom Heiligen Geist gehört zu haben!

Aber auch heute spielt der Heilige Geist für viele Christen keine wirkliche Rolle, sagte Papst Franziskus bei seiner Frühmesse in der Kapelle der Casa Santa Marta. Sie haben vielleicht „im Katechismus gelernt, dass er zur Dreifaltigkeit gehört“ – aber das war’s dann auch schon. Dabei gibt es gar keine Kirche ohne den Heiligen Geist: „Der Heilige Geist ist der, der die Kirche bewegt, der, der in der Kirche wirkt, in unseren Herzen, der, der so viele verschiedene Christen in einer Einheit zusammenführt. Er ist der, der voranführt, die Türen aufstößt und dich dazu bringt, Zeugnis von Jesus abzulegen… Er bewegt uns zum Gotteslob… Der Heilige Geist ist der, der in uns ist und uns lehrt, auf den Vater zu schauen und ,Vater!´ zu ihm zu sagen. Er befreit uns von diesem Waisendasein, zu dem uns der Geist der Welt drängt.“

Der Heilige Geist sei „der Protagonist der lebendigen Kirche“, fuhr Franziskus fort. „Wenn wir das nicht leben, wenn wir nicht auf der Höhe dieser Mission des Heiligen Geistes sind, dann reduzieren wir den Glauben auf eine Moral, eine Ethik.“ Es gehe gerade nicht darum, die Zehn Gebote zu erfüllen „und sonst nichts“: „Das kann man machen, das da nicht; bis hierhin und nicht weiter… Das führt zu Kasuistik und einer kalten Moral.“ Das christliche Leben sei „keine Ethik, sondern eine Begegnung mit Jesus Christus“. Und der Heilige Geist verschaffe uns diese Begegnung.

„Aber wir haben den Heiligen Geist in unserem Leben, in unserem Herzen wie einen Luxus-Gefangenen: Wir lassen nicht zu, dass er uns drängt, dass er uns bewegt. Der Heilige Geist kann uns in die Dinge Jesu einführen – nur eines vermag er nicht: Wohnzimmer-Christentum. Damit kennt er sich nicht aus. Er kann keine virtuellen Christen machen, er macht echte Christen, er geht vom echten Leben aus… Er ist der große Gefangene unseres Herzens. Wir sagen: ,Er ist die dritte Person der Dreifaltigkeit´, aber bleiben dabei stehen…“

Der Papst lud seine Zuhörer dazu ein, in dieser Woche mal „über den Heiligen Geist in meinem Leben nachzudenken“. Ob wir etwa Angst hätten, dass er uns vorwärtsschubse? Wo sei denn unser Mut, aus uns selbst „herauszugehen, um Jesus zu bezeugen?“ Und wie stehe es um unsere Geduld in Prüfungen? Denn auch die Geduld werde uns vom Geist gegeben.

„In dieser Woche der Vorbereitung auf Pfingsten lasst uns überlegen: Glaube ich wirklich an ihn, oder ist der Heilige Geist für mich nur ein Wort? Und versuchen wir, mit ihm zu sprechen und zu sagen: ,Ich weiß, dass du in meinem Herzen bist, dass du im Herzen der Kirche bist, dass du die Kirche vorwärtsbringst, dass du die Einheit unter uns allen wirkst…´? Ihm all das sagen und um die Gnade bitten, zu lernen – aber praktisch, in meinem Leben –, was er wirkt. Das ist die Gnade der Fügsamkeit ihm gegenüber: dem Heiligen Geist gegenüber fügsam sein. Tun wir das in dieser Woche: Denken wir an den Heiligen Geist und sprechen wir mit ihm!“

© Radio Vatikan | rv 09.05.2016 sk

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