Propst Tenge: Verunsicherung und Vertrauen

Hannover, den 18. November 2015Tengeklein

Stellungnahme von Propst Martin Tenge
zur Spielabsage am 17.11.15 in Hannover

Im Rahmen einer Initiative des Freundes-kreises Hannover, der zur Aktion LICHTzeichen aufgerufen hat, war ich am Abend des geplanten Länderspiels gerade zusammen mit vielen Hundert Menschen unterschiedlichster Herkunft und Kultur mit brennenden Kerzen in der Hand am Stadion angekommen. Wir wurden freundlich von der Polizei empfangen, aber zugleich gebeten, umgehend wieder zu gehen, da das Spiel wenige Minuten zuvor abgesagt wurde. Das Lichtzeichen der Menschen wurde gesetzt, es konnte sich nur nicht lange entfalten. Das Spiel, dass zu einem Symbol der Freiheit und Solidarität werden sollte, musste sich dem Diktat des Terrors unterwerfen, auch wenn – Gott sei es zutiefst gedankt – niemand zu Schaden gekommen ist.

Und doch hat der Abend eine tief sitzende Spur der Verwüstung hinterlassen, nämlich den
Schaden des menschlichen Vertrauensverlustes.

Der Terror wirkt auf eine letztlich völlig feige Weise: er ist im Vorfeld nicht erkennbar, er handelt
aus dem Nichts und ist anschließend nicht greifbar. Selbst wenn die Selbstmord-Attentäter
identifiziert werden, gibt es keine Form der Auseinandersetzung mit ihnen, denn sie sind tot.

Um als Betroffener mit einer kritischen Situation umgehen zu können, brauche ich ein
Gegenüber, mit dem ich mich auseinander setzen kann. Wenn es dieses Gegenüber nicht gibt,
werde ich hilflos und zugleich aggressiv. Wer schon mal zuhause einen Einbruch erlebt oder
anonyme Briefe bekommen hat, kennt dieses Gefühl nur zu gut.

Angesichts des Terrors – auch in Hannover – gibt es ein vergleichbares Phänomen: es fehlt das
Gegenüber. Umso mehr wird ein „Ersatz-Gegenüber“ gesucht. Viele Menschen suchen und
finden es nun in den Muslimen und den Menschen, die als Migranten bei uns leben. Völlig
unschuldige Menschen werden zu den berühmten Sündenböcken für die Taten derer, die sich
nicht selber verantworten.

Eines zeigt uns die Lage der letzten Tage und Wochen erneut: es gibt Menschen, die unser
Vertrauen in keiner Weise verdienen. Übrigens nicht nur in der Terror-Szene, sondern überall in der Gesellschaft, wie uns die jüngsten Skandal-Enthüllungen vor Augen geführt haben.

Im Gespräch mit einem befreundeten Muslim am heutigen Tag wurde ich sehr betroffen, als er
mir sagte, dass ihn Menschen, mit denen er seit Jahren einen ganz normalen Umgang hat, auf
einmal meiden und sogar mit dem Verdacht auf Bomben in Verbindung brachten, als er mit
einem kleinen Reisekoffer unterwegs war. Er war tief erschüttert und fragte sich, wozu er seit
Jahrzehnten einen vertrauensvollen Umgang mit den Menschen seiner hiesigen Heimat pflegt.

Ja, es gibt Menschen, die unser Vertrauen nicht verdienen. Aber es ist nicht angemessen, aus
einer eigenen Unsicherheit heraus deshalb ganze Gruppierungen zu verdächtigen und damit
pauschal zu verurteilen. Da müssen wir persönlich und als Gesellschaft zeigen, dass wir eine
andere, menschenwürdigende Art des Umgangs miteinander haben.

Es würde uns persönlich und uns als Gesellschaft gut tun, wenn wir uns in unseren persönlichen Begegnungen gegenseitig ein Wort öfter und deutlich sagen würden: „Ich vertraue dir!“

Ihr Pfarrer Propst Martin Tenge

Propst Tenge: Terror und unbeschreibliche Gewalt

Hannover/Garbsen, den 16. November 2015Tengeklein

Stellungnahme von Propst Martin Tenge

Mit tiefer Trauer um die Opfer und mit Abscheu gegenüber den Tätern erfassen mich die Nachrichten um die schrecklichen Terroranschläge von Paris Freitag Abend. Es ist unfassbar, welche sinnlose Gewalt hier an Menschen verübt worden ist.

Wir denken intensiv und begleitet von unseren Gebeten an die Opfer. Wir denken an die ermordeten Menschen und die z.T. sehr schwer verletzten Menschen. Wir denken an die schockierten und traumatisierten Menschen in Paris und überall auf der Welt. Und wir denken an die Familien, Angehörigen und Freunde, die Ihnen wichtige und liebe Menschen verloren haben und mit den Verletzten leiden.

Die unglaubliche Opferstatistik schockiert zutiefst. Zugleich sind die Auswirkungen der Verunsicherung auf die Menschen spürbar. Der Terrorismus macht nirgends halt und ist dabei insofern besonders perfide, weil er sich selber nicht angreifbar macht. Daraus resultieren u.a. Hilflosigkeit und zugleich Wut. Ich bin sprachlos und möchte zugleich den Tätern meinen Zorn ins Angesicht schreien.

Mich erschüttert, dass es wiederum Terroristen sind, die ihr unmenschliches Handeln mit religiösen Motiven begründen. Es steht zu befürchten, dass sie damit nicht nur Menschenleben vernichtet haben, sondern das Vertrauen unter den Menschen zerstören wollen. Deshalb muss Extremismus und Terrorismus, auch und gerade der, der sich auf die Religion beruft, entschieden bekämpft werden.

Die Aufgabe aller Menschen bleibt es, sich für eine demokratische, freiheitliche Gesellschaft einzusetzen. Unsere deutschen und europäischen Werte der Freiheit und Demokratie, der Menschenrechte und der Menschenwürde, der Meinungsfreiheit und der Toleranz müssen nicht nur gewahrt, sondern mit Leben erfüllt werden.

Auch und besonders die Bedeutung der Religions- und Weltanschauungsfreiheit muss in unserer Gesellschaft reflektiert und mit neuem Bewusstsein gefüllt werden. Es gibt mit diesen Werten immer eine Freiheit zu und eine Freiheit von Religion und Weltanschauung. Für alle Menschen in unserer Gesellschaft, seien sie persönlich religiös oder nicht-religiös geprägt, ist die Religions- und Weltanschauungsfreiheit ein unverzichtbares Gut. Niemand darf gezwungen werden, sich einer bestimmten Religion anschließen zu müssen. Es darf aber auch niemand gezwungen werden, nicht-religiös zu sein. Nur in dieser verbürgten grundsätzlichen Freiheit können wir eine friedvolle Gesellschaft gestalten, in der die Freiheit des einen die Freiheit der anderen nicht einschränkt. Daher hat religiöser Extremismus bei uns keinen Platz!

Unser Gebet und Mitgefühl gilt allen, die sich in diesen Tagen betroffen und angegriffen fühlen. Mögen wir als Staat, als Kirchen und Religionsgemeinschaften und als gesamte Gesellschaft aus diesen schrecklichen Ereignissen richtige Konsequenzen ziehen, die dem Frieden und der Freiheit aller dienen und vor Terror und Hass schützen. 

Ihr Pfarrer Propst Martin Tenge

Ex-Bischof Janssen des sexuellen Missbrauchs beschuldigt

Folgender Brief unserer Hildesheimer Bischofs Norbert soll in allen Gottesdiensten
am 7./8. November 2015 verlesen werden:

Janssen-BriefHintergrund siehe folgende Links auf die HAZ und das Domradio/KNA:

http://www.haz.de/Nachrichten/Der-Norden/Uebersicht/Ex-Bischof-von-Hildesheim-des-sexuellen-Missbrauchs-beschuldigt

http://www.domradio.de/themen/bist%C3%BCmer/2015-11-06/frueherer-bischof-beschuldigt

 

Benefizkonzert für Hospizdienst im Kolumbarium

 

Am Dienstag, den 10.11.2015, findet im Kolumbarium Herz Jesu um 19:30 Uhr eine Benefizveranstaltung „Klangkunst und Kabarett“ statt. Matthias Brodowy, Schirmherr des Hospizdienstes der Malteser, und Charlotte Jarosch von Schweder haben mit ihren Musikern ein Programm zusammengestellt.

Der Eintritt beträgt 20 € im Vorverkauf und an der Abendkasse. Der Erlös ist bestimmt für die Aufgaben der Hospizarbeit der Malteser. 

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