Lea berichtet aus Bolivien

Das Bistum Hildesheim sendet jedes Jahr junge Menschen nach Bolivien. Lea Pohl aus Garbsen-Mitte ist eine der 11 Jugendlichen, die im Juli 2016 nach Bolivien reisten. Lea arbeitet nun für 11 Monate in der Partnerschule unserer Gemeinde in Cotoca im Tiefland von Bolivien. Jetzt sind in Bolivien Sommerferien und Lea erkundet das Land.

Leas Reisebericht an unsere Gemeinde können Sie durch Anklicken lesen:

Liebe Gemeinde,

„Vielfalt“ ist einer der Begriffe, der meiner Meinung nach am besten auf Bolivien passt.

siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Bolivien

Um Ihnen die Umgebung näherzubringen, in der sich die Schüler und Lehrer unserer Partnerschule in Cotoca, und damit im Moment auch ich uns bewegen, möchte ich heute ein grobes Bild dieses faszinierenden Landes zeichnen:

Mit über 1 Mio. km² ist Bolivien dreimal größer als Deutschland. Politisch gesehen besteht es aus 9 Departamentos, topografisch unterscheidet man einfach gesagt zwischen Hoch- und Tiefland, da sich Ausläufer der Anden im Land befinden. Dort liegen nicht nur bekannte Touristenziele wie der Titicacasee und der Salar de Uyuni, sondern auch Städte wie La Paz und Potosí.

So mancher Reisender muss erst einmal nach Luft schnappen, wenn er in La Paz auf 4000m Höhe aus dem Flugzeug steigt, weil die Luft so dünn ist, aber auch, weil sich ein atemberaubender Blick bietet: Am Fuße schneebedeckter 6000 Meter hoher Berge breitet sich ein Meer roter Backsteinhäuser aus, darüber spannt sich ein klarer blauer Himmel. Wenn tagsüber die Sonne scheint, kommt man ganz schön ins Schwitzen, aber nachts ist es bitterkalt. La Paz ist der Regierungssitz des Landes, wenn auch nicht die Hauptstadt. Dort befinden sich alle wichtigen Regierungsgebäude und auch die deutsche Botschaft.

In Potosí erinnert alles an den längst vergangenen Reichtum, der durch den Abbau von Silber entstand. Das Stadtbild wird vom „Cerro Rico“ geprägt, eben jenem Berg, der seit dem 16. Jahrhundert von Minen ausgehöhlt wurde, aber vornehmlich den Spaniern als Geldquelle diente und nicht den Einheimischen, die sich unter Einsatz ihres Lebens in den Berg wagten.

 

Von Potosí aus gelangt man nach einer dreistündigen Fahrt in einem klapprigen Bus nach Uyuni, von wo aus täglich zig Jeeps Touristengruppen in die Salzwüste bringen. Bolivianer halten sich davon lieber fern: „Diese verrückten Touristen! Ist doch viel zu kalt da oben!“ Meilenweit nur Salz, das Sechsecke auf dem Boden formt, ganz in der Nähe farbige Lagunen, in denen sogar Flamingos leben, auch Geysire gibt es. Wunderschöne, unberührte Natur findet man dort oben, auf 5000m Höhe.

 

Etwas tiefergelegen sind Sucre, Boliviens offizielle Hauptstadt, und Cochabamba, Boliviens Hauptstadt des Essens.

In Sucre hat 1825 Simon Bolivar, Freiheitskämpfer und späterer Namensgeber des Landes, nach 16 Jahren Krieg die Freiheit und Unabhängigkeit Boliviens von den spanischen Besatzern ausgerufen. Trotzdem besteht das ganze Zentrum noch aus alten weißen Kolonialbauten, weshalb die Stadt UNESCO-Weltkulturerbe ist und inoffiziell „La ciudad blanca“ (Die weiße Stadt) genannt wird.

Kommt man nach Cochabamba, fällt einem zuerst die riesige weiße Christusstatur auf, die auf einem Berg thront und über die Stadt zu wachen scheint. Mit 40 Meter Höhe ist sie sogar 2m größer als der Christo in Rio de Janeiro. Vielleicht ein wenig größenwahnsinnig, die Cochabambinos, wie man auch am Essen sieht: Hier werden nicht drei, sondern fünf Mahlzeiten am Tag aufgetischt. Da gibt es meist eine riesige Portion Reis, am liebsten noch mit Kartoffeln, Mais und einem großen Stück Fleisch. Besonders gut ist das Obst: Orangen, Bananen, Erdbeeren, Ananas, Melonen, Äpfel, Birnen und noch viel mehr bieten die Marktfrauen an.

Aber nicht nur köstliches Essen, auch schmackhaften Wein gibt es in Bolivien. Im Süden, nahe der argentinischen Grenze liegt Tarija, das aufgrund seines milden Klimas hervorragend für die Weinproduktion geeignet ist. Ein kleiner Witz am Rande: Eine der größten und bekanntesten Marken aus Tarija ist „Kohlberg“. Na, erraten? Richtig, gegründet von Deutschen…

Im Tiefland, angekommen auf gerade einmal 300m, liegt Santa Cruz de la Sierra. 3 Mio. Einwohner haben Stadt und unmittelbare Region gemeinsam, was die Folge eines aktuell unglaublichen Wirtschaftswachstums ist, das auf die reichen Bodenschätze, Erdgas und Erdöl, aber auch auf Landwirtschaft und Viehzucht zurückzuführen ist. Ansonsten sind das Klima und die Natur bemerkenswert: Fast das ganze Jahr über herrscht eine schwüle Hitze, die Temperaturen sinken selten unter 30°C, im Dezember und Januar kann man von sintflutartigen Regefällen und Gewittern überrascht werden. Die Flora reicht von trockenen, wüstenartigen Gebieten bis zu dichten Urwäldern. 40 Minuten östlich von Santa Cruz liegt übrigens Cotoca!

Erst 2006 hat der damalige und aktuelle Präsident Evo Morales den offiziellen Namen des Landes in „Plurinationaler Staat Bolivien“ geändert. Warum das Ganze? Weil die Bevölkerung, übrigens insgesamt 10 Mio. Menschen, aus sage und schreibe 36 Volksgruppen besteht, die alle auch noch eine eigene Sprache, neben Spanisch als Landessprache, haben. Die größten Gruppen sind die Aymara und Quechua, die im Hochland um La Paz leben, und die Guarani im Tiefland Boliviens bei Santa Cruz.

Ich denke, Sie können nun verstehen, warum ich Bolivien als vielfältiges Land bezeichne.
36 verschiedene Volksgruppen mit ihren Traditionen, eine Landschaft, die von 6000m hohen Bergen bis zu Wüste und Urwald reicht, ein Klima, das sowohl Schnee, als auch brütende Hitze umfasst. Millionenstädte stehen menschenleeren Landstrichen gegenüber, uralte Überreste der Vor-Inkazeit, von denen ich noch nicht einmal berichtet habe, bestehen neben modernsten Hochhäusern.

Ich bin sehr dankbar, ein Jahr dieses Land und seine Menschen entdecken zu dürfen!
Mit freundlichen Grüßen,
Lea

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