Weggottesdienst

Gottesdienst weg – Weg-Gottesdienst

Es war, wie so oft, die Not, die uns zur Suche nach festlichen Gemeindeversammlungen am Sonntagvormittag veranlassten, die den Namen Gottesdienst zu Recht tragen. Aus vormals 4 Pfarreien war eine geworden und von den zwei Priestern wurde einer „eingespart“. Priester weg, Gottesdienst weg?, das war die bange Frage. Sollte die Antwort ein weg-Gottesdienst sein, ein Gottesdienst wie eine Eucharistiefeier aber ohne alle dem, was dem Priester an Aufgaben zukommt, weil das nun weg ist? Entstanden ist die Frage nach dem Weg statt nach dem „weg“. Von Anfang an war das Bestreben, nicht den Priester zu ersetzen oder zu kopieren, das würde weder das Amt, noch den Gottesdienst und die Gemeinde ernst nehmen. Aus dem festen Vertrauen darauf, dass die Gemeinde alle Gnadengaben, die sie braucht, bereits hat entstand unser Weggottesdienst.
Nicht Eine/r leitet den Gottesdienst von Anfang bis Ende, sondern wir suchen nach den Gaben und wechseln entsprechend. Wer lesen kann, der lese, wer frei sprechen kann, der spreche frei, wer Gebete formulieren kann, der formulier Gebete, wer die Heilig Schrift in unsere Zeit hinein tragen kann, der tue das, wer Sinn für deutende Zeichen hat, der bringe diese Gabe ein usw.
Natürlich kommt „Berufschristen“ dabei vorerst eine Wegbereiterrolle zu. Aber von Anfang an gilt zu erkennen, wer kann was auf Grund seiner Fähigkeiten am besten? Ein Diakon ist nicht qua Amt der bessere Moderator, die Gemeindereferentin nicht qua Beauftragung die bessere Vorleserin, usw.. So gehört zum Weggottesdienst ein Vorbereitungstreffen, zu dem alle eingeladen sind. (Der Kreis ist bei uns bisher überschaubar!)

Die Form kommunikativer Gottesdienstgestaltung erwies sich als überraschend  vielseitig. So stellte sich heraus, dass diese Gottesdienstform  „Kirchenungeübten“ das Mitfeiern sehr erleichtert. Was wiederum dazu führte, dass wir bei allen Texten darauf achten, dass sie ohne zusätzliche Erklärungen auch in nichtkirchlichen Räumen verständlich sind. Durch regelmäßige Einladungen auch den Altar zu umringen und Vorbeter/innentexte vom Ambo oder  vom Altar aus zu lesen lösen sich Gedankenstrukturen von Oben und Untern, von Hinten und Vorn langsam auf. Im Miteinander werden Zeichen des Kirchenjahres  leibhaftig erfahrbar, wie beispielsweise der Adventskranz:

Nachdem wir wieder einen zweiten Priester in unserer Pfarrei haben gestalten wir Weggottesdienste auch im Rahmen der Vorbereitung auf die Erstkommunion und die Firmung. Wir stellen dabei fest, dass dieses Herangehen an sonntägliche Gemeindeversammlungen auch für „Neue“ verständlich und mitvollziehbar ist und sich in die Eucharistiefeier einfügen lässt. Auch andere Gottesdienste, wie
Tauffeiern bzw. Tauferinnerungsfeiern sind in Form von Weggottesdiensten in guter tiefer Form möglich:

Wie diese Gottesdienstform zurückgebunden werden kann an die weniger werdenden Orte, an denen Eucharistie gefeiert werden kann, bleibt eine Aufgabe der kommenden Jahre, aber es sind ja auch Weggottesdienste:
Wege entstehen beim Gehen! Kommt und seht!

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