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Frohe Weihnachten

Allen Leserinnen und Lesern wünschen wir frohe und gesegnete Weihnachten.

In der Geschäftigkeit und dem Kommerz um uns herum kann sie schon mal verloren gehen: Die Botschaft vom Kommen Gottes als Menschenkind.

Durch Klick auf das Bild hören Sie das Evangelium nach Lukas 2:

Krippenbild

Umwelt-Enzyklika Laudato si

laudatosi

 

 

In Kooperation mit dem Umweltbeauftragten und den Diözesanrat der Katholiken im Bistum Hildesheim hat die Bolivienstiftung Justitia et Participatio einen Studientag zur Umwelt- und Sozial-Enzyklika von Papst Franziskus in Nordstemmen bei El Puente durchgeführt, an dem aus unserer Gemeinde Bärbel Smarsli und Hubert Gerhardy teilnahmen.

Die Aussagen der Enzyklika wurden in einem Impulsreferat von Frau Dr. Ana Honnacker vorgestellt. Der Papst richtet sein Schreiben an jeden Menschen, der auf diesem Planeten wohnt. Die Enzyklika läutet in der Kirche eine Kehrtwende vom Wachstums- und Fortschritts­denken hin zur globalen Verantwortung für die Schöpfung und ihre Erhaltung aber auch für soziale Gerechtigkeit und sozialen Ausgleich ein.

Der Mensch hat eine besondere Verant­wortung, die Schöpfung zu bewahren und für alle Geschöpfe zu erhalten – über das Heute hinaus. Ein Verbrechen gegen die Natur (z.B. Verschmutzung von Gewässern, Boden und Luft mit giftigen Substanzen; Entblößung der Erde von natürlichen Wäldern; Zerstörung von Feuchtgebieten) ist eine Sünde gegen uns selbst und eine Sünde gegen Gott.

Zur Sensibilisierung der 32 Teilnehmer auf die Thematik „Bewahrung der Schöpfung über das Heute hinaus“ sollte jeder einen Brief an seinen Nachkommen schreiben, den dieser im Jahre 2040 liest, und darlegen, welchen Beitrag er persönlich zum Klima- und Umweltschutz im Jahre 2015 geleistet hat.

In Kleingruppen erfolgte eine Auseinandersetzung mit Zitaten aus der Enzyklika. In diesen sehr engagiert geführten Gesprächen wurde herausgearbeitet,

  • wie konkret in unserem persönlichen Lebensstil durch das Konsum- und Urlaubsverhalten zurückgeschaltet werden kann. Durch eine Änderung der Lebensstile kann ein heilsamer Druck auf diejenigen ausgeübt werden, die politische, wirtschaftliche und soziale Macht besitzen.
  • was wir als Kirche an unserer pastoralen Arbeit verändern können, um die vom Papst angemahnte „ökologische Bekehrung“ in die Wege leiten zu können. Unter dem Vorwand von Realismus und Pragmatismus werden Umweltsorgen auch von aktiven Christen bespöttelt.
  • welche politischen Maßnahmen ergriffen werden müssen, um die Werkzeuge Gottes des Vaters zu sein, damit unser Planet das sei, was Er sich erträumte. Normalitätsvorstellungen müssen gebrochen werden.

Basierend auf Aussagen der Enzyklika wurde über den eigenen Lebensstil nachgedacht. Anschließend wurden erste Schritte im eigenen Umfeld zur Umsetzung von Laudato si´ zur Bewahrung der Schöpfung aber auch für die Belange der Dritten Welt herausgearbeitet.

Druckexemplare der Enzyklika liegen in den Kirchen aus!
PD Dr. Hubert Gerhardy

Advent – Kommen des Herrn

Unser Herzensmitbewohner Jesus Christus, auf dessen Wohnungseinzug wir uns im Advent vorbereiten, wird daher in unseren Herzen im Blick auf all unser Tun immer wieder die Frage stellen: „Tust du das, was du tust, aus Liebe?“ Das kann auf den ersten Blick anstrengend sein und den Gedanken wachrufen: Wann geht er wieder? Aber mit dieser erinnernden Frage hilft er uns, unser Leben mit Bleibendem zu erfüllen, das niemand wegnehmen oder zerstören kann: die Liebe.

Rufen wir Jesus im Advent daher vertrauensvoll und freudig zu:
„Schön, dass du kommst – du bist herzlich willkommen, in unseren Herzen einzuziehen!“

Ihr Pfarrer Propst Martin Tenge

Benedikt XVI am 1. Advent 2005
“Wir haben gesagt, dass dieses Kommen einmalig ist: „das“ Kommen des Herrn. Dennoch gibt es nicht nur das endgültige Kommen am Ende der Zeiten. In einem gewissen Sinne möchte der Herr durch uns Menschen ständig auf die Erde kommen, und er klopft an die Tür unseres Herzens: Bist du bereit, mir dein Fleisch, deine Zeit, dein Leben zu geben? Das ist die Stimme des Herrn, der auch in unsere Zeit eintreten möchte, er möchte durch uns ins Leben der Menschen eintreten. Er sucht auch eine lebendige Wohnung, nämlich unser persönliches Leben. Das ist das Kommen des Herrn, und das wollen wir in der Adventszeit aufs neue lernen: Der Herr möge auch durch uns kommen. “

Advent – Einladung zur Ungeduld

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“O Heiland, reiß die Himmel auf,
herab, herab vom Himmel lauf.
Reiß ab vom Himmel Tor und Tür,
reiß ab, wo Schloß und Riegel für.”

Es ist der Schrei nach Gerechtigkeit, nach Frieden, nach Freiheit, Wahrhaftigkeit und Bewährung, der dieses Adventslieder von Friedrich von Spee (1591-1635) erfüllt,
und es ist  nicht nur „das Volk in bangen Nächten“, das so dringlich den Frieden für die Erde einfordert, sondern es ist Gott selber, der von der adventlichen Unruhe umgetrieben wird.
Er steckt uns damit an.

Was also die Seele des Advents ausmacht, das ist eine tiefe, leidenschaftliche Sehnsucht, die uns mit Gott verbindet, die Sehnsucht nach einer Welt, in der Menschen in Gerechtigkeit und Wahrhaftigkeit, Frieden und Freiheit leben können.
Es ist die Sehnsucht nach der Welt, wie Gott sie gewollt hat,
als er „am Anfang“ Himmel und Erde schuf.

Die Welt, in der wir leben, aber ist nicht so – immer noch nicht!
Jeden Tag hören wir die Namen der Orte,
an denen noch immer das Unrecht zum Himmel schreit.
Unrecht und Elend, an das wir uns nicht gewöhnen dürfen,
auch wenn es Abend für Abend über unseren Fernseher flimmert.
Denn an allen diesen Orten steht die entscheidende Frage des Advent auf:

„Wo bleibst du, Trost der ganzen Welt,
darauf sie all ihr Hoffnung stellt?
O komm, ach komm vom höchsten Saal,
komm, tröste uns hier im Jammertal.“

Unsere Erde ist ein Tal des Jammers.
Daß wir davor die Augen nicht verschließen, daß wir uns damit nicht versöhnen,
dazu gibt es den Advent.
Er will, weiß Gott, mehr sein als eine beschauliche Einstimmung auf Weihnachten.
Er will uns nicht besinnlich machen, sondern zur Besinnung bringen.
Wir haben den Advent überhaupt nicht verstanden,
solange wir ihn nicht politisch verstehen, als Einladung,
den großen Horizont der Welt in den Blick zu nehmen, der Gottes Verheißung gilt.

“O klare Sonn, du schöner Stern,
dich wollten wir anschauen gern,
o Sonn, geh auf, ohn deinen Schein
in Finsternis wir alle sein.”

Wir sind eine Generation, die neu lernen muss, mit der eigenen Ohnmacht zu leben.
Tag um Tag wird uns zugemutet, Probleme zur Kenntnis zu nehmen,
die offensichtlich niemand lösen kann. Aber wenn wir nur einfach schlucken,
was uns die Tagesschau Abend für Abend serviert, werden wir krank.
Wir müssen das Zeug wieder aus uns herausbringen, und wir haben die Möglichkeit,
es vor Gott hinzutragen. Dazu ist der Advent da.

Wenn wir uns mit der Last, die uns drückt, vor Gott hinbegeben
und ihm unsere Fragen zumuten, werden wir, wie Friedrich von Spee,
auch die nächsten kleinen Schritten entdecken, die „aus dem Elend in das Vaterland“ führen. Dazu ist der Advent da.

Er ist uns gegeben als eine Zeit der Einübung in die Ungeduld!

 aus: Rolf Zerfaß, Für uns Menschen. Predigten zum Lesejahr B, Düsseldorf 1993, 12-18.

 

Propst Tenge: Verunsicherung und Vertrauen

Hannover, den 18. November 2015Tengeklein

Stellungnahme von Propst Martin Tenge
zur Spielabsage am 17.11.15 in Hannover

Im Rahmen einer Initiative des Freundes-kreises Hannover, der zur Aktion LICHTzeichen aufgerufen hat, war ich am Abend des geplanten Länderspiels gerade zusammen mit vielen Hundert Menschen unterschiedlichster Herkunft und Kultur mit brennenden Kerzen in der Hand am Stadion angekommen. Wir wurden freundlich von der Polizei empfangen, aber zugleich gebeten, umgehend wieder zu gehen, da das Spiel wenige Minuten zuvor abgesagt wurde. Das Lichtzeichen der Menschen wurde gesetzt, es konnte sich nur nicht lange entfalten. Das Spiel, dass zu einem Symbol der Freiheit und Solidarität werden sollte, musste sich dem Diktat des Terrors unterwerfen, auch wenn – Gott sei es zutiefst gedankt – niemand zu Schaden gekommen ist.

Und doch hat der Abend eine tief sitzende Spur der Verwüstung hinterlassen, nämlich den
Schaden des menschlichen Vertrauensverlustes.

Der Terror wirkt auf eine letztlich völlig feige Weise: er ist im Vorfeld nicht erkennbar, er handelt
aus dem Nichts und ist anschließend nicht greifbar. Selbst wenn die Selbstmord-Attentäter
identifiziert werden, gibt es keine Form der Auseinandersetzung mit ihnen, denn sie sind tot.

Um als Betroffener mit einer kritischen Situation umgehen zu können, brauche ich ein
Gegenüber, mit dem ich mich auseinander setzen kann. Wenn es dieses Gegenüber nicht gibt,
werde ich hilflos und zugleich aggressiv. Wer schon mal zuhause einen Einbruch erlebt oder
anonyme Briefe bekommen hat, kennt dieses Gefühl nur zu gut.

Angesichts des Terrors – auch in Hannover – gibt es ein vergleichbares Phänomen: es fehlt das
Gegenüber. Umso mehr wird ein „Ersatz-Gegenüber“ gesucht. Viele Menschen suchen und
finden es nun in den Muslimen und den Menschen, die als Migranten bei uns leben. Völlig
unschuldige Menschen werden zu den berühmten Sündenböcken für die Taten derer, die sich
nicht selber verantworten.

Eines zeigt uns die Lage der letzten Tage und Wochen erneut: es gibt Menschen, die unser
Vertrauen in keiner Weise verdienen. Übrigens nicht nur in der Terror-Szene, sondern überall in der Gesellschaft, wie uns die jüngsten Skandal-Enthüllungen vor Augen geführt haben.

Im Gespräch mit einem befreundeten Muslim am heutigen Tag wurde ich sehr betroffen, als er
mir sagte, dass ihn Menschen, mit denen er seit Jahren einen ganz normalen Umgang hat, auf
einmal meiden und sogar mit dem Verdacht auf Bomben in Verbindung brachten, als er mit
einem kleinen Reisekoffer unterwegs war. Er war tief erschüttert und fragte sich, wozu er seit
Jahrzehnten einen vertrauensvollen Umgang mit den Menschen seiner hiesigen Heimat pflegt.

Ja, es gibt Menschen, die unser Vertrauen nicht verdienen. Aber es ist nicht angemessen, aus
einer eigenen Unsicherheit heraus deshalb ganze Gruppierungen zu verdächtigen und damit
pauschal zu verurteilen. Da müssen wir persönlich und als Gesellschaft zeigen, dass wir eine
andere, menschenwürdigende Art des Umgangs miteinander haben.

Es würde uns persönlich und uns als Gesellschaft gut tun, wenn wir uns in unseren persönlichen Begegnungen gegenseitig ein Wort öfter und deutlich sagen würden: „Ich vertraue dir!“

Ihr Pfarrer Propst Martin Tenge

Das Gastgeschenk des Papstes

Am letzten Wochenende besuchte Papst Franziskus die evangelisch-lutherischen Gemeinde in Rom. Durch die Geste seines Gastgeschenkes, einen Kommunionkelch, wie ihn nur röm. kath. Bischöfe bisher erhalten haben, setzt unser Papst Franziskus ein Zeichen für unsere katholische Kirche und unseren Weg in der Ökumene.  Und Papst Franziskus betont: “Haben wir denn nicht dieselbe Taufe? Und wenn wir dieselbe Taufe haben, dann müssen wir zusammen gehen! …”

Pater Bernd Hagenkord ist der Leiter der deutschsprachigen Abteilung von Radio Vatikan. In seinem Vatikanblog berichtet er vom Besuch des Papstes:

Das Gastgeschenk des Papstes

Propst Tenge: Terror und unbeschreibliche Gewalt

Hannover/Garbsen, den 16. November 2015Tengeklein

Stellungnahme von Propst Martin Tenge

Mit tiefer Trauer um die Opfer und mit Abscheu gegenüber den Tätern erfassen mich die Nachrichten um die schrecklichen Terroranschläge von Paris Freitag Abend. Es ist unfassbar, welche sinnlose Gewalt hier an Menschen verübt worden ist.

Wir denken intensiv und begleitet von unseren Gebeten an die Opfer. Wir denken an die ermordeten Menschen und die z.T. sehr schwer verletzten Menschen. Wir denken an die schockierten und traumatisierten Menschen in Paris und überall auf der Welt. Und wir denken an die Familien, Angehörigen und Freunde, die Ihnen wichtige und liebe Menschen verloren haben und mit den Verletzten leiden.

Die unglaubliche Opferstatistik schockiert zutiefst. Zugleich sind die Auswirkungen der Verunsicherung auf die Menschen spürbar. Der Terrorismus macht nirgends halt und ist dabei insofern besonders perfide, weil er sich selber nicht angreifbar macht. Daraus resultieren u.a. Hilflosigkeit und zugleich Wut. Ich bin sprachlos und möchte zugleich den Tätern meinen Zorn ins Angesicht schreien.

Mich erschüttert, dass es wiederum Terroristen sind, die ihr unmenschliches Handeln mit religiösen Motiven begründen. Es steht zu befürchten, dass sie damit nicht nur Menschenleben vernichtet haben, sondern das Vertrauen unter den Menschen zerstören wollen. Deshalb muss Extremismus und Terrorismus, auch und gerade der, der sich auf die Religion beruft, entschieden bekämpft werden.

Die Aufgabe aller Menschen bleibt es, sich für eine demokratische, freiheitliche Gesellschaft einzusetzen. Unsere deutschen und europäischen Werte der Freiheit und Demokratie, der Menschenrechte und der Menschenwürde, der Meinungsfreiheit und der Toleranz müssen nicht nur gewahrt, sondern mit Leben erfüllt werden.

Auch und besonders die Bedeutung der Religions- und Weltanschauungsfreiheit muss in unserer Gesellschaft reflektiert und mit neuem Bewusstsein gefüllt werden. Es gibt mit diesen Werten immer eine Freiheit zu und eine Freiheit von Religion und Weltanschauung. Für alle Menschen in unserer Gesellschaft, seien sie persönlich religiös oder nicht-religiös geprägt, ist die Religions- und Weltanschauungsfreiheit ein unverzichtbares Gut. Niemand darf gezwungen werden, sich einer bestimmten Religion anschließen zu müssen. Es darf aber auch niemand gezwungen werden, nicht-religiös zu sein. Nur in dieser verbürgten grundsätzlichen Freiheit können wir eine friedvolle Gesellschaft gestalten, in der die Freiheit des einen die Freiheit der anderen nicht einschränkt. Daher hat religiöser Extremismus bei uns keinen Platz!

Unser Gebet und Mitgefühl gilt allen, die sich in diesen Tagen betroffen und angegriffen fühlen. Mögen wir als Staat, als Kirchen und Religionsgemeinschaften und als gesamte Gesellschaft aus diesen schrecklichen Ereignissen richtige Konsequenzen ziehen, die dem Frieden und der Freiheit aller dienen und vor Terror und Hass schützen. 

Ihr Pfarrer Propst Martin Tenge