2016 – Jahr der Barmherzigkeit

Jahr der Barmherzigkeit

Eigentlich wäre das nächste Heilige Jahr erst 2025 fällig gewesen. Doch das Ende des Zweiten Vatikanischen Konzils vor genau 50 Jahren ist der Termin, die zugemauerte Pforte feierlich zu öffnen. Papst Johannes XXIII. wollte schon damals die Fenster der Kirche öffnen und die frische Luft des Geistes hineinlassen. Dieser Wunsch ist auch ein halbes Jahrhundert später offenkundig nicht schwächer geworden. Nach Papst Franziskus soll diese heilige Jahr ein Jahr der Barmherzigkeit werden.
Gerechtigkeit ruft in Folge oft wieder Haß und Vergeltung hervor. So hoffen viele Menschen auf Barmherzigkeit. Die Barmherzigkeit müsse nach Kardinal Kasper, „als die Gott eigene Gerechtigkeit und als seine Heiligkeit verstanden werden“. Sie werde auch genannt „unverdiente Gunst“ und bleibe danach Gottes Geheimnis und beschreibe sein Wesen. Damit übersteige sie den menschlichen Verstand; sie sprenge die Logik eines menschlichen Gerechtigkeitsempfindens und heißt theologisch auch „vollkommene Gerechtigkeit“. Sie ist mehr als eine billige Gnade und sie ist auch etwas anderes als Mitleid.
Der lateinische Ausdruck für Barmherzigkeit ist „Misericordia“: sein Herz (cor) bei den Armen (miseri) haben. Barmherzigkeit ist demnach nicht nur Respekt, Anteilnahme, Empathie und Unterstützung, es ist die Fähigkeit sich in den anderen hineinzuversetzen – seinem Herzen nahe zu sein mit Zärtlichkeit und Mitleid, mit Nachsicht und Vergebung.
Gilt das Erbarmen ohne Ansehen der Person? Gibt es Barmherzigkeit und Verzeihen für Taten wie etwa Mord oder andere himmelschreiende Unrechtstaten? Diese Frage ist die Frage der Feindesliebe. In der Bergpredigt sagt Jesus: „Liebt eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen.“. Solch barmherziges Handeln überfordert oft den Menschen.
Im heiligen Jahr der Barmherzigkeit hat Papst Franziskus den Seelsorgern unserer Kirche die Herzen und die Seelen der Gläubigen anempfohlen – jedem Menschen, der zu ihnen kommt, barmherzig zu sein! Welch ein schönes Symbol dafür: durch eines der “Türen der Barmherzigkeit” zu gehen.

LogoBermherzigkeitDu gehörst dazu, 
      ich höre dir zu,
        ich rede gut über dich,
          ich gehe ein Stück mit dir,
            ich teile mit dir,
              ich besuche dich,
                ich bete für dich.

 


Was sind die Werke
der Barmherzigkeit?

„Wer zwei Gewänder hat, der gebe eines davon dem, der keines hat, und wer zu essen hat, der handle ebenso“.
Was das Lukasevangelium (3,11) beschreibt ist eines der Grundzüge christlichen Handelns, das in der Tradition in die Werke der Barmherzigkeit eingeflossen ist. Aber das Gleichnis vom Samariter ist viel revolutionärer und herausfordernder, als man zunächst denkt. Bevor nämlich dem Opfer geholfen wird, gehen ein Levit und ein Priester achtlos an ihm vorbei.
So ist dann ausgerechnet ein Samariter zur Stelle – einer, der damals als eine Art halber Heide verachtet wurde. Und die Provokation geht noch weiter: Jesus erhebt diesen Samariter auch noch zum Vorbild. “Dann geh und handle genauso!”, sagt er.

Die Werke der Barmherzigkeit sind weder moralisch zu verstehen noch „erwirbt“ man sich damit die Gnade oder das Wohlwollen Gottes. Sie sind vielmehr Ausdruck eines Handelns, das der Nachfolge Jesu gemäß ist.

Die sieben Werke der leiblichen Barmherzigkeit:

  • Hungrige speisen
  • Obdachlose beherbergen
  • Nackte bekleiden
  • Kranke besuchen
  • Gefangene besuchen
  • Tote begraben
  • Almosen geben

Die sieben Werke der geistlichen Barmherzigkeit:

  • die Unwissenden lehren
  • die Zweifelnden beraten
  • die Trauernden trösten
  • die Sünder zurechtweisen
  • den Beleidigern gern verzeihen
  • die Lästigen geduldig ertragen
  • für die Lebenden und die Verstorbenen zu beten

Seien auch wir barmherzig gegenüber unserem Nächsten!

 

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